
AKADEMIE-Session 03: Mobilitätsdaten, Sinus-Milieus und KI nutzbar machen
von MBM
Wie lassen sich Besucherinnen und Besucher einer Destination nicht nur zählen, sondern auch wirklich verstehen? Dieser Frage widmete sich der Workshop von MB Micromarketing. Sabine Ahlemeier und Andreas Strade zeigten, wie sich GPS-Tracking-Daten, Zielgruppenmodelle und KI zu einem praxisnahen Werkzeug für Destinationsmanagement und -marketing verbinden lassen.
Im Mittelpunkt stand zunächst die Frage nach der tatsächlichen Besucherherkunft. Klassische Tourismusstatistiken liefern wichtige Basisinformationen, erfassen aber weder Tagesgäste noch den sogenannten grauen Markt, kleine Vermieter, private Ferienwohnungen oder Verwandtenbesuche.
GPS-Tracking-Analysen können hier jedoch ergänzen: Sie machen sichtbar, woher Gäste kommen, ob sie als Tages- oder Übernachtungsgäste auftreten und wie sich die Einzugsgebiete beschreiben lassen. Darauf aufbauend zeigte der Workshop, wie Besucherstrukturen über die Sinus-Milieus® interpretiert werden können.
Differenzierter Blick auf Gäste und Potenziale
Sinus-Milieus® beschreiben die Menschen nach sozialer Lage, Werten, Lebensstilen und Grundorientierungen. Für Destinationen ist das relevant, weil zwei Personen mit ähnlichem Alter, Einkommen oder Bildungsweg unterschiedliche Reisemotive, Mediennutzung und Erwartungen haben können. Deshalb ist erst die Verknüpfung von GPS-Tracking-Daten mit der mikrogeografischen Milieuinformation an der Homelocation zielführend: Sie erlaubt einen differenzierten Blick auf Gäste und Potenziale.
Zielgruppen-Insights bis ins Detail
Während GPS-Tracking ein breites Bild über alle Besucherströme inklusive Tagesgästen liefert, ermöglichen adressbezogene Gästedaten den Blick auf einzelne gebuchte Aufenthalte. Sie zeigen, wer über welchen Kanal bucht, aus welchen Herkunftsräumen Gäste kommen, wann und für welche Dauer sie reisen und welche Angebote nachgefragt werden. Werden diese Daten mit mikrogeografischen Informationen, Kaufkraftmerkmalen und Sinus-Milieus® angereichert, entstehen weitere Zielgruppen-Insights.
Für alle POI eigene Zielgruppenprofile
Kleinräumige Analysen eröffnen außerdem neue Perspektiven auf touristische Nutzung: Bei Städtereisen lassen sich Szeneviertel, urbane Quartiere oder kulturell geprägte Räume danach untersuchen, welche Sinus-Milieus® sie besonders anziehen. Auch einzelne POIs können über Geofences analysiert werden: Märchenwald, Klosterkirche, Wellness- und Thermalbad, Campingplatz oder Altstadt sprechen unterschiedliche Besuchergruppen an und erzeugen jeweils eigene Zielgruppenprofile. Diese Betrachtung macht sichtbar, dass eine Destination nicht nur „eine“ Zielgruppe hat, sondern aus vielen Teilräumen, Angeboten und Nutzungssituationen besteht.
Kampagnenplanung mit KI
Den Abschluss bildete der Blick auf eine Kampagnenplanung mit KI. Mit dem Tool AIlon wurde gezeigt, wie sich die zuvor gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Zielgruppen- und Aktivierungslogiken überführen lassen. Am Beispiel Winterberg demonstrierte MBM, wie Ergebnisse aus der App-Tracking-Analyse – etwa Sinus-Milieu-Struktur und Besucherdichte der Herkunftsgebiete – in AIlon übertragen und zu Teilzielgruppen wie Wintersport, Tagestouristen oder Übernachtungsgästen weiterverarbeitet werden können.
Daraus lassen sich Zielgruppenaffinitäten, Medien- und Lifestyle-Insights sowie konkrete Targeting-Parameter ableiten. Über das MBM Geografie+ Modul können dann geografische Informationen bis auf PLZ- oder Mikro-PLZ-Ebene bereitgestellt und anschließend für Kanäle wie Google Ads, Meta, Smart-TV, Display, Kino, Postwurfsendungen oder Out-of-Home-Maßnahmen genutzt werden.
Ailon ist ein Marktforschungstool des Unternehmens Erason aus Lüneburg. Mittels KI veredelt es Datensätze und kann dadurch Zielgruppen umfangreich beschreiben. Anhand von Brückenvariablen wie Alter, Geschlecht und soziodemografischen Merkmalen werden fehlende Informationen mittels Deep-Learning-Algorithmen ergänzt. Im Kern geht es darum, Korrelationen zwischen anonymisierten digitalen Datensätzen und beschreibenden Merkmalen der Zielgruppe zu ermitteln.

Destinationsentwicklung braucht die Verknüpfung von Daten
Der Workshop machte deutlich: Moderne Destinationsentwicklung entsteht nicht durch eine einzelne Datenquelle, sondern durch die intelligente Verknüpfung von Buchungsdaten, GPS-Tracking, mikrogeografischen Informationen und KI-gestützten Aktivierungsplattformen.
Buchungsdaten zeigen, wer tatsächlich bucht; Trackingdaten machen sichtbar, wer vor Ort ist, woher Besucher kommen und welche Orte sie kombinieren; die Sinus-Milieus® erklären, welche Bedürfnisse dahinterstehen. So erhalten Destinationen ein ganzheitliches Bild ihrer Gäste und Besucher – und eine belastbare Grundlage, um Angebote zielgruppengerechter zu entwickeln, Kommunikationsmotive passender zu formulieren und Kampagnen räumlich wie inhaltlich präziser auszusteuern. Aus Daten werden so konkrete Empfehlungen für Marketing, Mediaplanung, Angebotsentwicklung und strategische Positionierung.
Webseite: mb-micromarketing.de