Erfahrungsraum Industrie – Zusatzsessions bei Marktführern.

Moderation Duka: Stefan Möhler

Moderation Durst: Edgar Eller

Das DestinationCamp ist immer gut für Neues: Mit optionalen Nachmittags-Sessions wurde der Denkraum des DSTNCMP²⁶ bewusst in einen branchenübergreifenden Erfahrungsraum erweitert. Statt ausschließlich innerhalb touristischer Best Practices zu denken, richtete die Exkursion zu zwei führenden Wirtschaftsunternehmen den Fokus der interessierten Teilnehmer:innen auf Transformationserfahrungen außerhalb der vertrauten Branche und jenseits der eigenen Komfortzone. 

Die Verbindung aus Werksführung, Showroom-Erlebnis und Workshop in den beiden Zusatz-Sessions am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag folgten dabei der klaren Cross-Innovation-Fragestellung: 

Welche Prinzipien aus Industrie, Produktentwicklung und Markenführung lassen sich auf touristische Erlebnisräume übertragen? Was können Destinationen daraus über Qualität, Emotionalisierung, Storytelling und Markenführung lernen?

Duschkabine und Druckmaschine – kann Tourismus davon lernen?

Der Duschkabinenspezialist „DUKA” stand beispielhaft dafür, wie sich aus einem funktionalen Alltagsprodukt eine konsequent inszenierte Markenwelt entwickeln lässt. Lässt sich die Emotionalisierung einer Badwelt vielleicht auch für touristische Ideen nutzen? Lässt sich auch im Tourismus etwas „Alltägliches“  in Wert setzen?        

Auch bei DURST ging es – in diesem Fall am Beispiel Drucktechnik – um die Frage, wie innovationsfördernde Ansätze aus industriellen Denk- und Produktionsräumen sich auf den Tourismus übertragen lassen. 

DUKA – Qualität, Regionalität und Industrie aus Südtirol

Bereits bei der Führung durch das Unternehmen und den Showroom der Duka AG wurde die ganzheitliche Marken-Inszenierung deutlich. Der nach außen geschlossene Baukörper, an dem wie in einer Duschkabine Wassertropfen die Fassade hinabzugleiten scheinen, öffnet sich nach innen über offene Räume und zu begrünten Höfen.

Das „dukaversum“, der Showroom mit seinen Bad- und Dusch-Erlebniswelten, flashte die meisten Teilnehmer:innen dieser Nachmittagssession: Statt einer Produktausstellung erlebten sie eine immersive Markenwelt, in der alles zusammenpasste. 

Die „Kraft der Immersion“ wurde dann auch zum Kern des anschließenden Workshops. Nicht die Duschkabine selbst stand im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie es Duka gelingt, aus dem funktionalen Alltagsprodukt eine emotional aufgeladene Markenwelt entstehen zu lassen – zumal das Unternehmen reiner B2B-Produzent ist. Seine Kunden sind Monteure, Handwerker:innen und der Fachhandel. Sie überzeugt Duka mit hoher Verarbeitungsqualität, technischer Präzision und mit seiner perfektionierten Montagetechnik „dukafix“: Die innovative Klebetechnik kommt ganz ohne aufwändiges Bohren durch harte Wandfliesen aus. 

In einer „Silent Exploration“ bewegten sich die Teilnehmenden durch die unterschiedlichen Erlebniswelten der Ausstellung. Ziel war es, die Marke Duka emotional wahrzunehmen und gezielt jene Trigger zu erkennen, die Atmosphäre, Vertrauen, Qualität oder Begehrlichkeit erzeugen. Intensiv beschäftigte die Teilnehmenden die Frage nach einem „touristischen Dukafix“: Was ist der konkrete Qualitätsbeweis einer Destination? Also jener Moment, Prozess oder Service, bei dem Gäste unmittelbar spüren: „Hier wurde wirklich mitgedacht.“

Duka: Innovatives Familienunternehmen mit Tradition

Die Duka AG ist ein europaweit tätiger Hersteller hochwertiger Duschkabinen und Badlösungen mit Sitz in Brixen in Südtirol. Das Unternehmen mit rund 300 Mitarbeitenden wurde 1979 als „Ein-Mann-Betrieb“ gegründet. Heute sind Duka-Duschkabinen Unikate, die einerseits die Individualität der Käufer widerspiegeln und andererseits als Schmuckstücke jedes Badezimmer veredeln sollen. Duka gilt mit seiner hohen Innovations- und Designorientierung als führend im Premiumsegment, produziert jedoch nur für den Fachhandel.

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Von der Duschkabine zum Tourismus

Als wichtigen Impuls für touristische Organisationen identifizierten die Teilnehmenden bei Duka das „Storytelling der Details“: Im Tourismus würden jedoch häufig emotionale Bilder und Sehnsuchtskommunikation im Vordergrund stehen, während konkrete Qualitätsmerkmale, Serviceprozesse und tatsächliche Leistungsfähigkeit oft kaum sichtbar gemacht werden. Davon ausgehend sammelten sie weitere Anregungen für die touristische Markenführung:

Überlegung: Wenn Industrieunternehmen wie Duka die Attraktivität einer Destination gezielt nutzen, um ihre Produkte emotional aufzuladen, könnte Tourismus umgekehrt regionale Produzenten, Handwerk, Kultur und Wirtschaft deutlich stärker integrieren, um Destinationen authentischer, glaubwürdiger und erlebnisreicher zu erzählen.

Ableitungen für die Transformation sind möglich

Beobachtung bei DUKA
Übertragbare Erkenntnis für den Tourismus
Emotionale Markenwelten entstehen bereits vor dem eigentlichen Produkterlebnis.
Erlebniswelten schon vor der Reise aufbauen – etwa über Storytelling, Gastgeberkommunikation, regionale Identität oder immersive Inhalte.
Funktionalität und Emotionalität werden konsequent miteinander verbunden. Technische Präzision, Prozesse und Innovationen werden sichtbar gemacht.
Qualitätsmerkmale, Serviceprozesse und konkrete Leistungsfähigkeit stärker kommunizieren – statt ausschließlich emotional zu inszenieren. „Was ist unser dukafix?“
Qualität wird nicht nur behauptet, sondern im gesamten Markenerlebnis erlebbar gemacht.
Service Design, Customer Experience und organisatorische Qualität als Teil der touristischen Markenführung denken.
Klarheit darüber, wofür die Marke steht – und was bewusst nicht Teil der Marke ist.
Stärker über klare Profile, konsequente Positionierung und fokussierte Angebotswelten nachdenken – statt möglichst alles für alle Zielgruppen sein zu wollen.
Südtirol wird aktiv als emotionaler Verstärker der Marke genutzt – über Architektur, Kulinarik, Landschaft und Gastgeberkultur.
Regionale Produzenten, Handwerk, Kultur und Wirtschaft integrieren, um Destinationen glaubwürdiger und differenzierter erlebbar zu machen.

DURST-Group: Südtiroler Druckmaschinen für die Welt. 

Teilnehmer:innen, die sowohl am Mittwoch als auch am Donnerstag die Exkursion zu Durst mitgemacht hätten, wären möglicherweise zu zwei völlig unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. 

Obwohl das Thema an beiden Tagen identisch war, entwickelten die Workshops durch zwei verschiedene Locations eine völlig unterschiedliche Dynamik mit besonderen Ergebnissen: Der Hörsaal-Charakter im „Durst-Auditorium“ am Mittwoch lenkte den Fokus der Teilnehmer:innen auf eine akademische Meta-Ebene, auf strategische Leitlinien, technische Systemarchitektur und Prozessketten. Die kreative Atmosphäre in der Prototypen-Schmiede „Durst-Factory“ am Donnerstag verführte hingegen stärker zu pragmatischen, operativen Lösungswegen – aus der Tourist-Info wurde hier ein Welcome-Wohnzimmer, die DMO wurde Influencer im eigenen Dorf.

DURST: 90 Jahre Innovation und Transformation

Die Durst Group AG ist mit weltweit über 1.100 Mitarbeitenden und Hauptsitz in Brixen/ Südtirol der führende Hersteller von zukunftsweisenden Digitaldruck- und Produktionstechnologien. In seiner 90-jährigen Geschichte vollzog das familiengeführte High-Tech-Unternehmen eine radikale Transformation vom analogen Fotolabor-Ausrüster zum Pionier für digitale Industrie-Drucksysteme, Software-Ökosysteme und KI-gestützte Fertigungsprozesse. Durst gilt als Paradebeispiel für gelungene Transformation, die technologische Spitzenleistung mit einer innovationsfördernden Unternehmenskultur verbindet.

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Von der industriellen Fertigung zum Tourismus

Bei allen Unterschieden in den Ergebnissen der Workshops haben die Teilnehmer:innen einige identifizierte industrielle Prinzipien direkt auf den Tourismus übertragen. Wichtigster Punkt: das Durst-Prinzip der versteckten Werte. Erfolgreiche Geschäftsmodelle beruhen demnach auf versteckten oder nicht sichtbaren Werten jenseits der Hardware. Nachhaltigkeit, Regionalität, Mitarbeiterwohl oder Lebensqualität sind keine Zusatz-Optionen, sondern bilden den Kern eines resilienten Firmenkultur-Assets.

Im Tourismus bedeutet es: Destinationen müssen ihr „Warum“ schärfen und ihre Kompetenzen für die eigene Bevölkerung wirksam und sichtbar machen.

Ableitungen für die Transformation sind möglich

Beobachtung bei DURST
Übertragbare Erkenntnis für den Tourismus
Vom Produkt zum System: Gewinn wird nicht durch reinen Hardware-Verkauf erzielt, sondern durch ein unverzichtbares Service-Ökosystem.
Vom Hardware-Verwalter zum System-Architekten: DMO dürfen nicht nur Betten und Wanderwege verwalten, sondern müssen ein datengestütztes Service-Netzwerk spannen.
„Lights-Out“-Prozesse & Automation: Vollautomatisierte Produktionsschritte eliminieren zeitaufwändige Routinen fehlerfrei.
Shift von Routine zu Relationship: Standardisierte FAQs und Kommunikations-Abbrüche per KI automatisieren, um Zeit für echte Partnerbetreuung zu gewinnen.
„Factory“ als geschützter Kreativraum: abseits des Kerngeschäfts neue Prototypen testen.
Etablierung von „Zukunfts-Teams“: Kleine, schlagkräftige Einheiten in der DMO benennen und vor der operativen Hektik des Tagesgeschäfts schützen.
Mass Customization & Modularität: Standardisierte, modulare Bausteine ermöglichen die kundenspezifische Anpassung von High-Tech-Systemen.
Modulare Produktarchitektur: Top-Erlebnisbausteine standardisieren und ein KI-gestütztes, saisonales „Auto-Bundling“ für Zielgruppen ermöglichen.
Konsequente „Agent-Readiness“: Digitale Infrastrukturen sind so aufgebaut, dass Maschinen direkt miteinander kommunizieren.
Maschinenlesbare Destination: Daten, FAQ und API so strukturiert bereitstellen, dass KI-Agenten sie fehlerfrei finden.

Kontinuierliche Schritte zur Transformation

Die Teilnehmer:innen erarbeiteten davon ausgehend erste Schritte in eine erfolgreiche Transformation:

  • Daten- und System-Inventar aufsetzen: Alle vorhandenen Datenquellen (Meldedaten, Web-Analytics etc.) erfassen, um das Fundament für zukünftige KI-Anwendungen zu legen.
  • „Kill a Darling“-Workshop durchführen: Die heutigen Kernaufgaben radikal hinterfragen. Identifizieren und Benennen von „Zombie-Aufgaben” (z. B. Prospektversand), die in 5 Jahren keinen Mehrwert mehr liefern.
  • Ressourcen-Shift verbindlich beschließen: Mind. 15 % bis 25 % des Budgets und der Arbeitszeit aus den identifizierten „Zombie-Aufgaben” abziehen und direkt in Datenqualität und offene API investieren.
  • Einfache Automationsfälle live schalten: Direkt spürbare Quick Wins umsetzen – wie
    • Vorbereitung von Standard-Mails oder interessenbasierte Pre-Stay-Mailings.
    • Auslastungsabhängiges Besucher-Nudging z. B. via Gästekarte/ Gästeapp.
    • Content-Verfalls-Melder für Landingpages die seit 6 Monaten nicht aktualisiert wurden.
  • Tourist-Info zum „Welcome-Wohnzimmer“ umgestalten: Ein einfaches Pilotprojekt starten – Prospektständer reduzieren und stattdessen Kaffee, gemütliche Sitzplätze und Raum für echte, inspirierende Gespräche anbieten.
  • Geschütztes „Zukunfts-Team” benennen: Eine Mitarbeitergruppe explizit damit beauftragen, abseits der operativen Hektik an Prototypen und dem neuen digitalen Ökosystem zu bauen.
  • „Zukunfts-Stammtisch“ für Einheimische initiieren: Die eigene Bevölkerung als wichtigste Zielgruppe ernst nehmen und ein konkretes Problem vor Ort (z. B. Leerstand) mit DMO-Kompetenz anpacken.

Fazit aus den Workshops: Perspektivwechsel lohnt sich

Während Industrieunternehmen wie Duka die Attraktivität einer Destination gezielt nutzen, um ihre Produkte emotional aufzuladen, könnte Tourismus umgekehrt regionale Produzenten, Handwerk, Kultur und Wirtschaft deutlich stärker integrieren, um Destinationen authentischer, glaubwürdiger und erlebnisreicher zu erzählen.

Industrieunternehmen wie DURST steuern Optimierungen über Echtzeitdaten ihrer im Markt befindlichen Maschinen. Im Tourismus entsprechen dem unsere Gäste-, Betriebs-, Mobilitäts- und Feedbackdaten. Erst gebündelt in einem gemeinsamen Datenmodell bringen sie echte Steuerungs- und Qualitätserkenntnisse. 

Bei beiden Unternehmen wurde deutlich, wie sehr branchenübergreifende Perspektiven wertvoll für touristische Organisationen sein können – insbesondere bei den Themen Markenführung, Erlebnisgestaltung, Service Design und der Frage, wie Qualität im Tourismus künftig sichtbarer und erlebbarer gemacht werden kann.