Transformation & Anpassungs-Strategien

Session 01: Klimaanpassung im Alpintourismus D-A-CH und Südtirol

Impulsgeber: Hannes Waldmüller

Der Klimawandel verändert alpine Destinationen spürbar – von sinkender Schneesicherheit und Gletscherrückgang bis hin zu Extremwetterereignissen und steigenden Temperaturen. Erfolgreiche Wintersport- und Bergregionen sitzen in der „Erfolgsfalle“: Bestehende Systeme funktionieren kurzfristig noch gut, erschweren jedoch notwendige Veränderungen. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage: Frühling und Herbst gewinnen an Bedeutung, Gäste erwarten Mobilität, Inklusion und spürbare Qualität.

Hannes Waldmüller von IDM Südtirol zeigte in seinem Impuls auf, dass Südtiroler Wintersportdestinationen den Auswirkungen des Klimawandels in schon mit verschiedenen Maßnahmen begegnen, um ihren Tourismus resilienter und ganzjähriger auszurichten:

  • stärkere Bewerbung von Frühling und
  • Herbst statt der klassischen Hochsaison
  • Entwicklung neuer Angebote abseits des Wintersports, z. B. Wellness-, Natur- und Gesundheitsangebote
  • multisaisonale Nutzung touristischer Infrastruktur wie Bergbahnen
  • Förderung nachhaltiger Mobilität durch
  • Gästekarten (Südtirol Guest Pass) und öffentlichen Nahverkehr.

Wie kann die Anpassung gelingen?

Gleichzeitig war allen Teilnehmenden klar: Klimadaten und Szenarien über die künftige Entwicklung liegen in vielen Regionen vor. Die Frage ist also: Warum tritt bislang keine Veränderung ein? Was tun, um den Wandel voranzutreiben?

Helfen können „Geschichten des Gelingens“, die anhand konkreter Praxisbeispiele Impulse für erfolgreiche Transformationsprozesse geben.

Denn wo immer sich ein vorherrschender Wirtschaftszweig grundlegend verändert, verändert sich auch die Region. Sei es beim Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet oder in Wales, der Veränderung der Fischwirtschaft in Kanada oder beim Rückgang der Automobilindustrie im Rust Belt in den USA.

Der tiefgreifende Wandel des Alpintourismus ist auch ein Trauerprozess. Nur wer der Trauer Raum gibt, schafft eine Brücke für den Neuanfang.

Anna Scheffold, Begleiterin für regeneratives Wirtschaften, Strategie, Nachhaltigkeit und Experience Design

Mithilfe verschiedener Karten zu Themen wie „sozialer Zusammenhalt“ oder Stolpersteinen wie „fehlende Beteiligung“ entwickelten die Teilnehmenden in Gruppen ihre Ideen zur Frage, wie der Wandel im Alpintourismus gelingen könne.

Die wichtigste Erkenntnis: Eine nachhaltige Transformation kann nur dann gelingen, wenn auch die damit einhergehenden zwangsläufigen Verunsicherungen, Verlustängste und Spannungen bewusst zugelassen, offen und konstruktiv angesprochen werden. Gerade in der gemeinsamen Auseinandersetzung damit eröffnen sich neue Perspektiven, mutige erste Schritte zu gehen und die Chancen für eine zukunftsfähige Gestaltung alpiner Destinationen zu nutzen.

Was bleibt für die alpinen Wintersportorte?

  • Die Natur als zentraler Erholungs- und Erlebnisraum.
  • Menschliche Begegnungen, Gastfreundschaft und regionale Verbundenheit.
  • Kulturelle Identität durch Traditionen, Kulinarik und Geschichte.
  • Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den wertschätzenden Umgang mit Ressourcen.
  • Chancen für neue touristische Entwicklungen und zukunftsfähige Angebote.

Was kann durch die Transformation entstehen?

  • Neue touristische Angebote und Geschäftsmodelle abseits des klassischen Wintertourismus.
  • Ganzjahrestourismus mit stärkerem Fokus auf Sommer, Nebensaison und „Coolcation“.
  • Inklusivere und nachhaltigere Infrastruktur, z. B. bessere Mobilität und barrierefreie Angebote.
  • Neue Formen von Natur-, Kultur- und Bergerlebnissen sowie bewussterer Genuss und Erholung.
  • Mehr Umweltbewusstsein, Kooperationen und innovatives Denken für die Zukunft alpiner Destinationen.

Steigende Besucherzahlen bergen leicht die Gefahr, dass persönliche Begegnungen, regionale Authentizität und die Belastbarkeit der lokalen Bevölkerung verloren gehen. Deshalb muss im Transformationsprozess immer wieder darauf geachtet werden, dass die Gastfreundschaft als zentraler Wert des Tourismus erhalten bleibt.