
Session 02: Strategien gegen Wasserknappheit und Ressourcenverschwendung
„Ich habe den Eindruck, dass Klima und Wasser in der Politik häufig thematisiert werden, aber im Tourismus keine Strategien dazu entwickelt werden.“ Dieses Statement zum Start von Session 2 zu „Transformation & Anpassungs-Strategien“ unterstrich das Dilemma: Wasser ist nicht nur lebensnotwendig, sondern häufig unverzichtbarer Bestandteil touristischer Produkte – sei es in (Wellness-)Hotels, Spaßbädern oder bei Wassererlebnissen wie Bootsfahrten oder Flussradeln.
Mit einem Rollenspiel wurden die Teilnehmenden der Session mitten in die Realität katapultiert: Beim Krisengipfel in der fiktiven Destination „Seeblick“ trafen sie sich als Vertreter:innen aus Hotellerie, Landwirtschaft, Freizeitbetrieben und Politik aufeinander. Das Szenario: Das Wasser wird knapp. Im Rollenspiel entflammte schnell eine heftige Diskussion, geprägt von Existenzängsten, Schuldzuweisungen und gegenseitigem Misstrauen.
Im intensiven Austausch der Argumente zeigte sich deutlich, dass Ressourcenmanagement weit mehr als technische Lösungen braucht. Die Kernprobleme liegen oft in der Art und Weise, wie Betroffene oder Interessensvertreter:innen (nicht) zusammenarbeiten.
- Der Landwirt sieht die Wasserverschwendung in den Hotel-Pools, die Hotellerie verweist auf die Bewässerung der Felder – und alle fühlen sich von der Politik alleingelassen. Alle kämpfen primär für sich selbst, statt kollaborativ nach Lösungen zu suchen.
- Viele Betroffene besitzen zwar ein Bewusstsein für die Problematik, aber es fehlt an konkreten Daten: Wer verbraucht wie viel Wasser aus welcher Quelle? Ohne eine gemeinsame Faktenbasis bleibt die Debatte emotional und destruktiv.
- Abstrakte Appelle an ein „gemeinsames Commitment“ ohne greifbare nächste Schritte führen zu maximaler Frustration und dem Gefühl von Zeitverschwendung.
- Es wurde deutlich: Solche Prozesse benötigen eine neutrale, externe Moderation und die Einbindung aller relevanten Stakeholder – insbesondere jener außerhalb der Tourismus-Bubble, wie Energieversorger, Materialforscher und Vertreter der Permakultur.
Die Diskussion zeigte aber auch, dass Starkregenereignisse ebenso relevant sind wie Wasserknappheit. Eine zukunftsfähige Strategie muss beide Extreme – Dürre und Überschwemmungen – berücksichtigen und managen können (Stichwort: Schwammstadt-Prinzip).
Vom Problembewusstsein ins Handeln kommen
Erfolgreiche Strategien zum Umgang mit Ressourcenknappheit können nur gelingen, wenn unterschiedliche Stakeholder frühzeitig eingebunden, gemeinsame Problemverständnisse geschaffen und flexible, statt starre Strategien entwickelt werden.
Der erste konkrete Schritt könnte sein, einen „Ressourcen-Gipfel“ in der Destination zu planen, die wichtigsten Player zusammenzubringen, eine erste Faktenlage zu präsentieren und gemeinsam die Gründung einer Taskforce mit externer Moderation zu beschließen.
Transformationsprozesse benötigen sowohl langfristige Perspektiven als auch niedrigschwellige, praxisnahe Einstiegsmaßnahmen, da Destinationen und Betriebe unterschiedliche Zeithorizonte und Handlungsgeschwindigkeiten besitzen.
Leitfaden zur Entwicklung einer Strategie gegen Wassermangel & Ressourcenverschwendung
Phase 1: Fundament legen & Bewusstsein schaffen (Quick Wins)
- Initiative ergreifen: Die DMO beruft eine „Taskforce Ressource X“ ein. Wichtig: Eine externe Moderation beauftragen, um die Prozessführung zu sichern.
- Faktenbasis schaffen (Transparenz herstellen): Unabhängige Expert:innen (z. B. Hydrologen, Energieberater) beauftragen, eine verständliche, datengestützte Analyse der lokalen Ressourcensituation zu erstellen. Schluss mit „gefühltem“ Wissen!
- Kommunikations-Blackout beenden: Eine ehrliche interne Sprachregelung entwickeln. Motto: „Wir haben ein ernstes Problem und wir packen es jetzt GEMEINSAM an.“ Das schafft Vertrauen nach innen und sensibilisiert nach außen.
Phase 2: Strategie entwickeln & Kooperationen schmieden (Strategische Ansätze)
- Moderierten Kick-off-Workshop durchführen: Alle relevanten Stakeholder an einen Tisch bringen, um die Fakten zu präsentieren, dem Betroffensein Raum zu geben und eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
- Ressourcenstrategie 2035 definieren: Das Ressourcenmanagement in der Destinationsstrategie verankern. Messbare Ziele definieren (z. B. Reduktion des Wasserverbrauchs pro Übernachtung um X % bis 2028).
- Szenarien entwickeln: Was passiert bei 10 %, 20 %, 30 % weniger Wasser? Die Szenarien müssen schmerzen, um den Handlungsdruck zu verdeutlichen und Prioritäten abzuleiten.
- Fördertöpfe identifizieren: Gezielt nationale und EU-weite Förderprogramme für Klimaanpassungsmaßnahmen und nachhaltige Infrastruktur recherchieren und gemeinsam Anträge vorbereiten.
Phase 3: Umsetzung & Monitoring (Handlungsorientiert)
- Quick Wins umsetzen: Einfache Maßnahmen wie Sensibilisierungskampagnen für Gäste und Betriebe oder die Förderung von Wasserspar-Technologien direkt angehen.
- Verbindlichen Maßnahmenplan verabschieden: Die erarbeiteten strategischen Maßnahmen mit klaren Verantwortlichkeiten, Zeitplänen und Budgets festschreiben.
- Transparent kommunizieren: Den Prozess und die erzielten Fortschritte kontinuierlich an alle Stakeholder und die Öffentlichkeit kommunizieren, um Vertrauen und Akzeptanz zu sichern.
Phase 4: Konsequenzen & Umsetzungswege (Ins Tun kommen)
Die Umsetzung erfordert einen entschlossenen Paradigmenwechsel: weg vom reaktiven Krisenmanagement, hin zur proaktiven Gestaltung. Das braucht:
- Mut & Führung: Der Erfolg steht und fällt mit dem Mut der DMO, die Führungsrolle zu übernehmen und den Prozess anzustoßen.
- Ressourcen: Es braucht personelle Kapazitäten (eine:n „Kümmerer:in“) sowie finanzielle Mittel für Moderation, Expertengutachten und Erstmaßnahmen.
- Echte Kooperation: Akzeptieren, dass die Lösung nur im Miteinander und manchmal auch im Verzicht liegt. Einzelkämpfertum führt in die Sackgasse.
Die Session zeigte unmissverständlich auf: Ressourcenmanagement ist keine Nische für Nachhaltigkeitsbeauftragte, sondern eine strategische Kernaufgabe für jede Führungskraft im Tourismus. Der Schlüssel zur Lösung liegt in einem strukturierten, faktenbasierten und empathisch moderierten Dialog.