Session 04: KI-Agenten intern richtig einsetzen – Frameworks für die Praxis
Impulsgeber: Stefan Huber
Wie können touristische Organisationen mit der rasanten KI-Entwicklung sinnvoll, verantwortungsvoll und vielleicht sogar gemeinschaftlich umgehen? Die Session „KI-Agenten intern richtig einsetzen“ bewegte sich schnell von Fragen zu Tools hin zu einer grundsätzlicheren Diskussion: Wie kann oder muss Zusammenarbeit im Bereich KI künftig überhaupt organisiert werden?
Im seinem Impuls stellte Stefan Huber von destination.one zunächst die neuesten Entwicklungen der „one.intelligence Platform“ vor – ein offenes KI-Ökosystem für touristische Organisationen, gehostet auf europäischen Servern. Angesichts der Veränderungen durch KI ist nach Stefans Einschätzung ein gemeinsamer Weg für die Branche unerlässlich, um für die DMO die Transformation im Tourismus zu gestalten. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, gemeinsame Strukturen für eine tragfähige Zusammenarbeit aufzubauen.
Stefan zeigte anhand verschiedener Praxisbeispiele die Idee eines KI-Ökosystems für die gesamte Branche. Bei destination.one heißt das System „one.intelligence marketplace“. Es verbindet Destinationen, Leistungsträger:innen und Tech-Partner:innen in einem dynamischen Ökosystem. Das Anwendungsspektrum umfasst intelligente Chatbots, kontextverständige KI-Suche, Voice-Bots, n8n-Automatisierungen und flexibel konfigurierbare KI-Modelle, die nach individuellen Bedürfnissen angepasst werden können.
KI ist sowohl Organisations- als auch Struktur-Aufgabe
In drei aufeinander aufbauenden Runden reflektierten die Teilnehmenden – aufgeteilt auf die Ebenen Kommune, Land und Bund – zunächst den aktuellen Stand bestehender KI-Kooperationen („Was gibt es schon?”), anschließend problematische Entwicklungen und Fehlstrukturen („Wie bitte nicht?“). Daraus resultierten Wünsche, Anforderungen und Zukunftsbilder für eine sinnvolle Zusammenarbeit im Bereich KI („Wie denn dann?“).
Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob wir im Tourismus KI einsetzen, sondern ob wir bereit sind, Daten, Wissen und Infrastruktur gemeinsam weiterzuentwickeln.
Bei der Vorstellung der Gruppenergebnisse im Plenum wurde schnell deutlich, dass die Herausforderungen weniger technischer Natur sind, sondern aus den aktuellen organisatorischen, strukturellen oder föderalen Rahmenbedingungen resultieren.
Kommunale Innovationsbereitschaft wird durch übergeordnete Strukturen ausgebremst, manche zentralen Vorgaben passen nicht oder nur bedingt zu touristischen Anforderungen. passen. Insbesondere kritisierten viele Teilnehmende
- unterschiedliche technische und organisatorische Voraussetzungen,
- fehlende Datenqualität und unklare Datenhoheit,
- lange Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse,
- Abhängigkeiten von Landesoder Konzernstrukturen,
- sowie die Fokussierung auf einzelne Personen statt auf langfristig verankerte Prozesse.
Die Vielzahl bestehender Plattform- und Datenprojekte müsse als wichtige Grundlage für zukünftige KI-Anwendungen genutzt werden. Viele Organisationen nutzen bereits KIAnwendungen wie ChatGPT, Copilot, Gemini oder erste automatisierte Workflows.
KI braucht nicht nur neue Technologien, sondern vor allem auch neue Formen der Zusammenarbeit.
Risiken und Hemmnisse bei der Implementierung
Kritisiert wurden starre Tool-Vorgaben ohne ausreichenden touristischen Kontext, fehlende Schulungsangebote sowie langfristige Abhängigkeiten von einzelnen Systemen oder Dienstleistern. Mehrere Teilnehmende beschrieben Situationen, in denen zentrale Lösungen vorgegeben wurden, ohne ausreichend Spielraum für regionale oder destinationsspezifische Anforderungen zu lassen. Als problematisch wurden unter anderem genannt:
- isolierte Einzellösungen ohne gemeinsame Standards,
- zentrale Lösungen, die keine Abweichungen zulassen,
- fehlende Transparenz über bereits laufende Projekte,
- mangelnder Austausch zwischen Hierarchie-Ebenen,
- unklare Verantwortlichkeiten,
- fehlende strukturelle Verankerung,
- sowie mangelnde Fehlerkultur.
Da touristische Organisationen sehr unterschiedliche Anforderungen mitbringen, eignet sich eine zentrale Lösung nicht automatisch für alle Ebenen. Viele Teilnehmende wünschten sich klare Leitplanken – die jedoch Experimentierfreude und Weiterentwicklung nicht ausbremsen sollten.
KI erfordert mehr als nur Implementierung von Tools
Im letzten Schritt entwickelten die Gruppen konkrete Vorstellungen dafür, wie Zusammenarbeit im Bereich KI künftig sinnvoll gestaltet werden könnte. Als Voraussetzung wurde genannt:
- transparente Informationen über (bereits laufende) KI-Projekte,
- gemeinsame Austausch- und Netzwerkformate,
- Good Practices als Orientierungshilfe,
- klar definierte Zuständigkeiten,
- offene Fehlerkultur und gemeinsames Lernen,
- Abstimmungen und Kooperationen zwischen Hierarchieebenen und mit externen Expertinnen und Experten.
Bestehende Projekte und Erfahrungen sollten stärker dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht werden – etwa über KI-Landkarten, gemeinsame Plattformen oder bundesländerübergreifende Austauschformate.
Eine zentrale Erkenntnis der Teilnehmenden war, dass KI im Tourismus künftig nicht allein als Technologieprojekt verstanden werden kann. Erfolgreiche KI-Anwendungen entstehen dort, wo Organisationen gemeinsam Datenqualität, Wissen, Infrastruktur und Verantwortlichkeiten weiterentwickeln.
Die Session machte deutlich: Die eigentliche Aufgabe liegt aktuell weniger im Zugang zu KI – sondern vielmehr darin, tragfähige Formen der Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Ländern, Bund, Unternehmen sowie Leistungsträgerinnen und Leistungsträgern zu schaffen. Oder wie Stefan Huber mahnte: „KI im Tourismus wird langfristig nur dann funktionieren, wenn Organisationen nicht alles isoliert selbst lösen wollen.“
