Vom Denkraum zum Erfahrungsraum.

Drei Tage, mehr als 220 Teilnehmende, ein Thema: Transformation und Destinationstourismus. Vom graffitiüberzogenen maroden Kasernengelände über die Altstadtgassen Brixens, von den Sessionräumen im Kloster Neustift zu den Luxushotels an der Plose und den architektonischen Perlen der Zona Industriale – beim DestinationCamp26 verwoben sich Impulse, Workshops, Exkursionen und abendliche Begegnungen zu einem dichten Erfahrungsraum.

Brixen und Neustift fungierten als Kraftort, an dem Theorie und Praxis ineinandergriffen.

Stefan Möhler, Geschäftsführer netzvitamine GmbH

Tag 1: Spannende Gegensätze zum Auftakt

Ein abgewracktes Kasernengelände, eine ungewöhnliche Keynote und das Spiel zwischen ältestem Gasthaus und modernster Vinothek: Das Opening des DSTNCMP26 in Brixen ließ schon erahnen, dass das 16. DestinationCamp besondere Erfahrungen bereiten würde. 

Chaichana Sinthuaree forderte in seiner Keynote dazu auf, Veränderung als innere Haltung zu begreifen — Technologie sei kaufbar, Kultur müsse entwickelt werden: „Transformation beginnt bei uns selbst.“ Erfolgreiche Transformation beginne selten mit Technologie. „Sie setzt eine innere Haltung, Bereitschaft zur Selbstveränderung und den Mut zum Kurswechsel voraus. Man muss die ‚Moments of Disruption‘ erkennen, prüfen, ob ein Kurswechsel sinnvoll ist und dann Veränderungen mutig angehen.“ Damit war die Leitlinie für das DSTNCMP26 aufgezeigt.  

Räumliche Provokation 

Erstmals war 2026 ein DestinationCamp zu Gast in Südtirol. Vom 5. bis 7. Mai trafen sich in Brixen mehr als 220 Expertinnen und Experten aus Tourismus, Wissenschaft, Beherbergung, Agenturen, Technologie und Plattformen. Zentrales Thema war die Transformation in Beherbergung, Architektur sowie Stadt-, Regional- und Industrieentwicklung.

Nach der Akkreditierung im ikonisch-modernen Gebäude der Touristinfo, einem Begrüßungs-Umtrunk und den regionaltypischen Tirtlen im nostalgisch-historischen Herrengarten wurden die Teilnehmenden durch die Altstadtgassen zum Eröffnungsabend geführt: eine graffitiverzierte Halle im abgewrackten Gelände der früheren Schenoni-Kaserne. 

„Schenoni Urban Lab“ prangte auf der Giebelmauer, gegenüber wurde geschweißt und gewerkelt. Zum Thema Transformation war das erste Puzzleteil gefunden.

Brixens Bürgermeister Andreas Jungmann erläuterte den erstaunten Teilnehmenden, dass das fast 20.000 Quadratmeter große Areal im Rahmen eines in Italien erstmaligen kooperativen Planungsprozesses zu einem neuen Wohn- und Kulturquartier entwickelt werden soll. Brixens Tourismuschef Werner Zanotti knüpfte daran an und versprach auch für die nächsten Tage: „Wir wollen Spannendes zeigen, wollen überraschen, mutig und einzigartig sein.“

Das DestinationCamp in Brixen hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel entsteht, wenn Mut, Kreativität und Zusammenarbeit aufeinandertreffen.

Andreas Jungmann, Bürgermeister Brixen

Disruptive Momente zum Startschuss von Transformation machen

Moderator Bernhard „Börnie“ Lingg führte gewohnt eloquent ins Programm ein und erläuterte den formalen Rahmen und das Konzept: vormittags Denkraum und nachmittags Erfahrungsraum für Innovationstransfer. 

Nach der Keynote von Chaichana Sinthuaree pitchten die Moderationsteams für die 28 Sessions und die vier Vorträge in der netzvitamineAKADEMIE. Die Bandbreite der beeindruckenden Performances reichte von provokanten Interventionen etwa eines „Nummernboys“ für Female Leadership bis zu performativen Formaten wie Rap oder Ansagen einer Kabinen-Crew. 

Im Rahmenprogramm: Das Brixen Water Light Festival 

Das furiose Finale des Abends leitete die Licht- und Klanginstallation „+3° Hot Machines“ von Liminal State zum Verhältnis von Mensch und Maschine, Energieverbrauch und Wärmeausstoß ein. Die Transmedia-Künstler Saverio Villirillo und Gregorio Comandini wollten damit zeigen, dass KI Hitze erzeugt und Rechenzentren Energie verbrauchen, mit der Tausende Haushalte versorgt werden könnten. Die Installation war eine von 23 Beiträgen des Brixen Water Light Festival, das parallel zum DestinationCamp die Innenstadt in eine Open Air Galerie verwandelte.

Ältestes Wirtshaus mit modernster Vinothek

Der Kontrast zwischen rumpeliger Eröffnungslocation und dem anschließenden Abendessen im ältesten Wirtshaus der Stadt unterstrich Brixens Spiel mit Gegensätzen: Die Teilnehmenden betraten in der engen Altstadtgasse einen modernen Windfang aus Schwarzstahl, stiegen über jahrhundertealte Treppen in die historischen Stuben des 500 Jahre alten Restaurants Finsterwirt und fanden im Erdgeschoss die puristische Vinothek Vitis mit über 400 Weinen. 

Im „Finsterwirt“ warteten ebenso wie im topmodernen Vitis und im begrünten Lichthof verschiedene Menüstationen mit regionalen Spezialitäten auf die Abendgäste: frischer Mozzarella, Alpensaibling mit Sylvanerschaum, geschmorte Schweinswangen mit Polenta, Bärlauchknödel mit Almkäse Spuma sowie süße Desserts und Eis — begleitet von acht Winzern, die ihre passenden Weine persönlich ausschenkten und erklärten.

In allen Räumen sorgte das Trio „Die Schmeichler” mit Dixieland, Jazz, deutschen und italienischen Schlagern aus den 20er bis 60er-Jahren für eine beschwingte Umrahmung des fröhlichen Abends.

Tag 2: Workshops, Mindset und Poetry Pop

Der zweite Tag stand im Zeichen von Praxis und Haltung. Vormittags prägten Veränderungswille, Kreativität, Mindset, Zusammenarbeit und Wirksamkeit die Sessions: 16 Workshops lieferten Best Practices aus Strategie, Führung, Nachhaltigkeit, Technik und Hotellerie. Moderierende zogen ein positives Fazit der ersten Sessions und lobten die  Teilnehmenden dafür, dass sie „neue Hüte“ aufgesetzt hätten, konkrete Maßnahmen geteilt und umsetzbare Ideen für ihre eigenen Herausforderungen erarbeitet haben.

Vom Denkraum zum Erfahrungsraum 

Am Nachmittag verteilten sich die Teilnehmenden auf zwei Zusatzsessions bei Duka und Durst sowie auf Führungen durch die Architekturstadt Brixen, das südliche Portal des Brenner-Basistunnel sowie Besichtigungen der Fünfsterne-Hotels Forestis Dolomites, Santre Dolomitic home und My Arbor.

Transformationserfahrungen und Innovationen aus Wirtschaft und Hotellerie erweiterten den „Denkraum der Branche“ zum „Erfahrungsraum von Transformation“. Andere ließen sich auf dem 700 Jahre alten Griesserhof das Zusammenwirken von Landwirtschaft und Tourismus erklären. Beide Branchen sehen sich als gemeinsame Gestalter des für Südtirol typischen Lebensraumes.

Gelungene Transformation: Brix 0.1 

Das architektonisch markante Brix 0.1 am Lido-See wurde zum sozialen Zentrum des Abends: Ein kraftvoller Beat, ein hämmernder Rhythmus und klare Texte – für kurze Zeit bestimmten E-Piano, Poetry Pop und Rap-Lyrik die Lautstärke am zweiten Abend des DSTNCMP26. Dann dominierten im Lido-Restaurant Brix 0.1 wieder Gespräche und viel Lachen die Klangkulisse. 

Wie eine Zeltskulptur wölbt sich die perforierte Außenschale aus Cortenstahl über das gläserne Restaurant und die offene Küche. Große Sonnenschirme auf der Terrasse am See schützten vor den wenigen Regentropfen. Vor zehn Jahren stand hier noch ein abbruchreifer Kiosk. Dann übergab die Stadt das Gelände an die zwei Betreiber mit der Auflage, den Lidopark mit einem Neubau gastronomisch zu bereichern. Mit der Terrasse zum See ist das Haus nun Restaurant, Bar, Café und Eisdiele zugleich.

Ein sterneverdächtiges Flying Menu aus der offenen Küche sorgte an diesem Abend drinnen und draußen für die typisch ungezwungene DestinationCamp-Atmosphäre, in der informeller Austausch und Vernetzung im Vordergrund stehen. 

Tag 3: Wiederholung und Vertiefung 

Der dritte Tag wiederholte das bewährte Muster: vormittags weitere Workshops, nachmittags Zusatzsessions und Exkursionen — erneut mit Fokus auf Industrie, Hotellerie, Landwirtschaft und Infrastruktur. Die Vielfalt der Angebote ermöglichte es, Erkenntnisse aus den Workshops direkt in reale Orte zu übertragen.

Der Denkraum wurde zum Erfahrungsraum – Lernen vor Ort verankert Veränderung.

Benjamin Buhl, Geschäftsführer netzvitamine GmbH

Geheimnisvoller Abschlussort 

Wie gewohnt war der Ort des netzvitamineABEND am dritten Abend ein von den Organisatoren streng gehütetes Geheimnis. Umso erstaunter waren die mehr als 220 Teilnehmenden des 16. DestinationCamp, als sie verteilt auf Linien- und Transfer-Busse ins Industriegebiet fuhren. Zwischen Eisack und Autobahn haben am südlichen Stadtrand von Brixen einige international bekannte Firmen ihren Hauptsitz. Hier hielten die Busse zwischen dem Betonwerk und dem Verwaltungssitz der Progress AG.

Die aus Glas und Betonelementen klar und weißglänzend aufragende Fassade des Südtiroler Marktführers von Betonfertigteilen ließ nicht vermuten, wie gut sich direkt neben dem Betonwerk feiern und genießen lässt.

Von der Dachterrasse über der 7. Etage schweifte der Blick über das Industriegelände, über Brixen und das Eisacktal; im Konferenzsaal des Unternehmens warteten festlich gedeckte Tische auf die Gäste. 

Catering mit grünem Stern

Bewirtet wurden die Teilnehmenden mit Spezialitäten vom Kircherhof aus Albeins. Die Schwestern Barbara und Verena Noflatscher führen den Bioland-zertifizierten Obst- und Gemüsebaubetrieb neben der Dorfkirche von Albeins mit ihren Partnern in der 4. Generation. In diesem Jahr wurde der Gasthof des zertifizierten Bioland-Bauernhofs mit einem grünen Michelin-Stern geadelt. Und von dessen Berechtigung konnten sich die Gäste des netzvitamineABEND ebenso überzeugen wie schon die Moderationsteams und netzvitaminePartner beim Pre-Event vor dem eigentlichen Start des DSTNCMP26.

Die Kombination aus industrieller Location und regionaler Kulinarik fasste noch einmal das übergeordnete Thema zusammen: Verknüpfung von Tradition und Innovation.

DSTNCMP26-Preise 

Höhepunkt des Abends war die Verleihung der DSTNCMP Preise an die Aktionswoche „Barrierefreier Westlicher Bodensee“, das „HÆDI-Festival“ in St. Peter-Ording und die Aktion „Fashion trifft Destination“ aus dem Zillertal. 

Ein besonders emotionaler Moment war – begleitet von Film, Fotoshow und persönlichen Botschaften aus verschiedenen DestinationCamp-Orten – die Verabschiedung von Wolfgang Weiler, dem langjährigen WERKSCHAU-Chefredakteur. 

Dann schloss sich eine heiße Party an. Zu energetischen Sets aus Melodic Techno und House und treibenden Rhythmen aus Synthesizern tanzten die Gäste in das Ende des DSTNCMP26. Zunächst stellte dabei Brixens Tourismuschef Werner Zanotti seine langjährige DJ-Erfahrung unter Beweis. Aber dann setzten die emotionalen Klanglandschaften von Südtirols bekanntester DJane Ena (Verena Senn) das i-Tüpfelchen auf das grandiose 16. DestinationCamp in Brixen und Kloster Neustift.