Wo Genuss Herkunft hat.

Landwirtschaft & Tourismus Hand in Hand

Landwirtschaft und Tourismus zählen in Südtirol zu den tragenden Säulen der regionalen Wirtschaft. Seit Jahrzehnten sind sie eng miteinander verflochten und prägen gemeinsam jene Kulturlandschaft, die das Land weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht hat.

Initiativen wie „Urlaub auf dem Bauernhof“, die konsequente Direktvermarktung regionaler Produkte – von Äpfeln und Wein bis hin zu Speck und Käse – sowie kurze Lieferketten sorgen in Südtirol für eine hohe regionale Wertschöpfung. Zugleich stärken sie die vielen bäuerlichen Familienbetriebe. 

Als strategisches Bindeglied zwischen Wirtschaft, Tourismus und der Marke Südtirol fungiert dabei IDM Südtirol – Alto Adige. Seit 2016 ist IDM die zentrale Entwicklungs- und Marketinggesellschaft von Land Südtirol und Handelskammer. Ihr erklärtes Ziel: die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Unternehmen zu stärken und das Land als einen der begehrtesten Lebensräume Europas zu positionieren.

Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus ist im Landestourismusentwicklungskonzept 2030 (LTEK+) als eines von sechs strategischen Fokusfeldern verankert. „Auf den Tellern der heimischen Gastronomie und Hotellerie soll es in Zukunft signifikant mehr Südtiroler Produkte geben“, betont IDM-Marketingdirektor Wolfgang Töchterle. Gezielt spricht die internationale Werbung Gäste an, die Wert auf regionale Herkunft, Qualität und Transparenz legen.

Die Entwicklung zeigt Wirkung: Die Zahl der bäuerlichen Direktvermarkter ist in Südtirol in den vergangenen fünf Jahren um rund 35 Prozent auf 610 Betriebe gestiegen. Ihr Umsatz erhöhte sich im selben Zeitraum von 44,7 auf 61,1 Millionen Euro. Rund 43 Prozent dieser Erlöse resultieren aus der Belieferung der heimischen Gastronomie – ein klares Zeichen für die wachsende Bedeutung regionaler Produkte in den Hotels und Restaurants in Südtirol.

Natur trifft Kultur im Eisacktal

Das Eisacktal, das sich in Nord-Süd-Richtung durch steile Hänge und enge Talräume zieht, ist landwirtschaftlich stark vom Wein- und Obstanbau geprägt. 

In den sonnenverwöhnten Hanglagen rund um Brixen dominieren Reben und Apfelwiesen das Landschaftsbild. In den Talböden finden sich Ackerbau und Grünland, während in den Höhenlagen ganz oben die Weideviehhaltung das Bild bestimmt.

Besonders bekannt ist das Eisacktal als nördlichstes Weinanbaugebiet Italiens. Auf teils spektakulären Terrassenlagen reifen hier vor allem Weißweine wie Sylvaner, Kerner, Müller-Thurgau, Veltliner, Riesling, Grauburgunder – der im Eisacktal traditionell als körperreicher, runder Ruländer ausgebaut wird – sowie Gewürztraminer. Rund 300 Sonnentage im Jahr mit gut 2.000 Sonnenstunden, kühle Nächte und ausgeprägte Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht prägen das Mikroklima. Die Verwitterungsböden verleihen den edlen Tropfen der gut 35 Weinbaubetriebe um Brixen eine charakteristische Mineralität, eine feine Säurestruktur und eine klare, präzise Frucht.

Äpfel, Wein und Gastlichkeit

Das alpin-mediterrane Klima macht die Region rund um Brixen und Klausen zugleich zu einem bedeutenden Obstanbaugebiet. Für die Obstgenossenschaft Melix Brixen in Vahrn bewirtschaften rund 370 Betriebe mehr als 900 Hektar Apfelwiesen im Eisacktal. Jahr für Jahr werden hier etwa 52.000 Tonnen Äpfel geerntet. 

Der „Kircherhof“ im Dorf Albeins ist ein geradezu modellhafter Bauernhof zwischen Rebterrassen, Gemüsefeldern und Apfelwiesen. Im Bioland-Bauernhof der Familie Noflatscher trafen sich das Team mit Moderatoren und Moderatorinnen, Gefährten und Gefährtinnen zum Pre-Opening des 16. DestinationCamp. Zum Hof direkt neben der Margarethenkirche gehört ein modernes barrierefreies Lokal mit einer großen verglasten Gartenveranda und einem Außenbereich direkt an der Obstwiese. Die fünf Ferienwohnungen haben dem Kircherhof 2023 die Auszeichnung als „Südtirols beliebtester Ferienhof“ gesichert. 

Chefinnen im Betrieb sind die Schwestern Barbara und Verena. Barbara kümmert sich mit  ihrem Partner Wolfgang um den Gasthof, Verena und Stephan betreuen den Biobetrieb mit zwei Hektar Gemüseanbau und acht Hektar Apfelplantagen. Sie liefern auch die meisten Zutaten für die Küche des Restaurants. Die gute Seele des Hofes ist Mutter Veronika. Im Hofladen stehen die saisonalen Erzeugnisse des Hofes, regionale Spezialitäten und Wein zum Verkauf.

Stadt und Land verbinden – Urlaub auf dem Bauernhof

Viele der meist klein- oder mittelstrukturierten Betriebe im Eisacktal setzen auf Vielfalt: Sie kombinieren Wein- oder Obstanbau mit Viehhaltung, Gemüseproduktion oder biologischer Landwirtschaft – und öffnen ihre Höfe zugleich für Gäste. „Urlaub auf dem Bauernhof“ ist hier kein touristisches Zusatzangebot, sondern Teil eines ganzheitlichen Lebens- und Wirtschaftskonzepts.

Tagsüber durch die Laubengassen von Brixen schlendern, Dom und Hofburg besichtigen oder ein Konzert besuchen – und abends die Ruhe zwischen Weinbergen, Obstwiesen oder mit Blick auf das Bergpanorama genießen: Im Eisacktal lassen sich urbanes Kulturprogramm und naturnaher Aufenthalt leicht verbinden. In Südtirol gilt diese Verbindung von Stadt und Land als zentrales Zukunftsmodell für Tourismus und Landwirtschaft gleichermaßen.  

Südtiroler Schüttelbrot und Kaminwurzen

Das harte, knusprige Fladenbrot besteht hauptsächlich aus Roggenmehl, Wasser, Hefe, Salz, gewürzt mit Kümmel, Fenchelsamen oder würzig-herbem Schabzigerklee. Es ist sehr knusprig, dünn und hat einen kräftigen, würzigen Geschmack.

Der Name verweist auf die traditionelle Herstellungsweise: Der weiche Teig wird auf einem Holzbrett geschüttelt und gedreht, bis er flach ist, bevor er gebacken und anschließend getrocknet wird. Das trockene Schüttelbrot ist sehr lange haltbar und war früher ein wichtiges Vorratsbrot. Es gibt es von sehr dünn und hart bis etwas dicker und „knusprig-brüchig“.

Das kräftig-würzige Fladenbrot wird nicht geschnitten, sondern gebrochen. Zur „Marende“, wie die nachmittägliche Brotzeit hier genannt wird, oder auf Wanderungen wird es traditionell zu Speck, Almkäse und Kaminwurzen gegessen.
Kaminwurzen sind herzhaft-würzige Rohwürste aus Rind- und Schweinefleisch, Hirsch oder Gams. Sie werden über Buchenholz im Kamin geräuchert, daher der Name, oder an der Luft getrocknet. Sie lassen sich lange lagern und werden dann sehr fest.